Weihnachten – das Fest des Konsums

Weihnachten ist das Fest der Liebe und die schönste Zeit des Jahres. Überall Weihnachtsbäume, Lichterketten und Lebkuchen. Es ist die Zeit des Jahres, in der man mit seiner Familie und seinen Liebsten zusammenkommt. Es werden sich gegenseitig schöne Geschenke gemacht und der obligatorische Festschmaus darf natürlich auch nicht fehlen. Diese Liste ließe sich noch ewig fortsetzen. Die Botschaft ist klar: Weihnachten ist gut und wer sich nicht an diesem ganzen Weihnachtswahnsinn beteiligen möchte, ist ein Sonderling oder Miesepeter. Dabei gibt es mehr als genug gute Gründe, dem Weihnachtsfest kritisch gegenüber zu stehen. Alleine schon aus umweltpolitischer Sicht.

Gleich vorweg: Das soll keine Kritik an einem religiösen Feiertag sein. Wer seine Religion ausüben möchte, soll das tun. Doch was hat Weihnachten eigentlich noch mit einem religiösen Feiertag zu tun? Ist Weihnachten nicht schon längst zu einer „eigenen Religion“ verkommen? Weihnachten ist sozusagen die Ersatzreligion der Religion. Sicher, für viele Menschen gehört der Gang in den Gottesdienst an Heilig Abend noch dazu. Doch wenn man ehrlich ist, dann nicht um einem Gott zu huldigen, sondern vielmehr aus Gewohnheit und Tradition. Denn dem einzigen Gott, dem an Weihnachten gehuldigt wird, ist der Gott des Konsums. Nachfolgend werden verschiedene Punkte aufgeführt, die einem die Weihnachtsgans im Halse stecken lassen:

1.) Es ist gute Tradition, sich an Weihnachten einen abgestorbenen Tannenbaum ins Wohnzimmer zu stellen. Dieser wird mit allerlei Schmuck zum Glänzen gebracht und spätestens zum neuen Jahr landet dieser dann auf dem Müll. Von Nachhaltigkeit keine Spur. Dabei ist ein Tannenbaum ein aus ökologischer Sicht durchaus wertvoller Baum:

Ökologischer Fußabdruck: Ein Hektar Weihnachtsbaumkultur bindet in zehn Jahren 145 Tonnen Kohlendioxid, 300 Tonnen Staubpartikel und sorgt für 100 Tonnen Sauerstoff. Ein Plastikbaum hat wegen des Engerieeinsatzes bei der Produktion und der Entsorgung eine deutlich schlechtere Ökobilanz.

Ist es nicht schade, so einen nützlichen Sauerstofferzeuger einfach abzuholzen, sich ins Wohnzimmer zu stellen, ein paar bunte Christbaumkungel dranzuhängen und ein paar Wochen später einfach auf den Müll zu werfen? Längst ist die Weihnachtsbaumproduktion zu einem Multimillionen-Euro-Business verkommen. Wenig verwunderlich ist es daher, dass massenhaft Chemikalien und Pestizide – u.a. das umstrittene Glyphosat, das im Verdacht steht krebserregend zu sein – aus Gründen der Gewinnoptimierung eingesetzt werden. Dennoch stellen sich Millionen von Haushalte einen „Giftbaum“ ins Wohnzimmer. Und nein, ein Plastikbaum ist aus ökologischer Sicht keine Alternative, wie dem vorausgegangen Zitat zu entnehmen ist.

2.) Weihnachten ist das Fest der Energieverschwendung. Lichterketten, Weihnachtsbaumdekoration und sogar die Zubereitung der Weihnachtsgans lassen den Stromverbrauch in die Höhe schießen. Negativbeispiel sind hierbei wieder einmal die USA:

Die beliebte elektrische Weihnachtsbeleuchtung in den USA verbraucht Naturschutzaktivisten zufolge jährlich mehr Energie als einige ärmere Länder der Erde insgesamt. In die Beleuchtung von Bäumen und Häusern flössen in den USA jährlich 6,63 Milliarden Kilowattstunden Strom, teilte die US-Umweltorganisation Center For Global Development mit. El Salvador verbrauche pro Jahr insgesamt nur 5,35 Milliarden Kilowattstunden, in Äthiopien seien es 5,30 und in Tansania 4,81 Milliarden Kilowattstunden.

Doch auch in Deutschland steigt die Zahl der Lichterketten kontinuierlich:

Der rückläufige Trend der letzten Jahre kehre sich damit um. Jetzt geht das Energieunternehmen davon aus, dass die diesjährige Festbeleuchtung etwa 760 Millionen Kilowattstunden Strom schlucken wird, was dem Jahresverbrauch einer Stadt mit 250.000 Einwohner entspricht.

Mal ganz davon abgesehen, dass dieser Verbrauch sicherlich auch nicht klimafreundlich ist, muss das den vielen hunderttausend Menschen (allein in Deutschland), denen jedes Jahr der Strom abgeschaltet wird, wie der blanke Hohn vorkommen. Noch schlimmer sieht die Situation in anderen europäischen Ländern aus, wie z.B. im krisengeschüttelten Griechenland. Am Ende freuen sich darüber nur die großen Energieversorger, die ihre Preise immer weiter erhöhen:

In den letzten 10 Jahren sind die Strompreise für Verbraucher im europäischen Durchschnitt um 56% gestiegen. Die größten Veränderungen hatten die Menschen in Griechenland [157%], Großbritannien [142%] und Spanien [110%] zu bewältigen. Nur sehr leicht stiegen die Preise in den Niederlanden [0,1%].

3.) Weihnachten ist auch das Fest der großen Müllerzeugung. Zwar gibt es keine offiziellen Hochrechnungen, jedoch braucht es nicht viel Fantasie, um zu der Erkenntnis zu gelangen, dass jedes Jahr allein tausende von Tonnen an Geschenkpapier im Müllkorb landen. Und wozu? Nur für den kurzen Moment der Freude, den es bereitet, das Geschenkpapier vom Geschenk zu reißen? Insgesamt steigt die Müllproduktion pro Haushalt zwischen Weihnachten und Neujahr erheblich an, wie statistische Erhebungen belegen:

Die Geschenke im Milliardenwert werden in den meisten Fällen verpackt – und der Großteil der Verpackungen landet in den Tagen nach Weihnachten im Müll. Insgesamt rund zehn Prozent mehr Abfälle als im Jahresdurchschnitt produzieren die Deutschen zwischen Weihnachten und Neujahr laut Angaben des Bundesverbands Sekundärrohstoffe und Entsorgung (BVSE).

4.) Was wäre Weihnachten schon ohne den obligatorischen Festtagsbraten auf dem Tisch? Wahrscheinlich ein Fest mit weniger Tierquälerei. Denn um den hohen Bedarf an Gänsen und Enten für die Feiertage zu decken, greifen Geflügelproduzenten zu zweifelhaften Methoden:

Allein in Deutschland werden jedes Jahr etwa 25 Millionen Enten für den menschlichen Verzehr getötet. 60% aller Enten werden um die Weihnachtszeit gekauft. Die Tiere führen in der Massentierhaltung ein erbärmliches Leben: Zu Tausenden eingepfercht, ohne Rückzugsmöglichkeiten, sehen sie niemals das Tageslicht und können in keiner Weise ihre natürlichen Verhaltensweisen ausleben.

Ganz vorne bei der Tierquälerei dabei ist natürlich Wiesenhof. Doch auch bei Geflügel aus dem Ausland sieht es nicht viel besser aus:

Polnische Hafermastgänse oder Gänse aus Ungarn gibt es im Discounter schon ab zehn Euro. Warum diese Gänse so preisgünstig „produziert“ werden können, liegt zum einen auch an dem Nebenprodukt: Daunen!  Bis eine Gans bei Ihnen auf dem Teller landet, wird sie bei lebendigem Leibe gerupft und dieses sogar 4 Mal. Ein Stressfaktor, der noch durch Antibiotika und viele andere Medikamente unterstützt wird. Auch Sie unterstützen diese Art der grausamen Haltung mit Steuergeldern. 

5.) Eine gerne unterschätzter Faktor sind die negativen Auswirkungen des Reisens während der Weihnachtszeit auf das Klima. Millionen von Deutsche nutzen den Weihnachtsurlaub als Gelegenheit zum Verreisen. Für viele Deutsche geht es dabei per Flug in Richtung Süden, um dem kalten und naßen deutschen Winter zu entfliehen. Dabei ist das Flugzeug, das mit Abstand klimaschädlichste Transportmittel unserer Zeit, wie die taz schon 2008 schrieb:

Ein Urlaubsflug nach Mallorca ist so schlimm, wie ein ganzes Jahr Auto zu fahren – vom Treibhaus-Effekt her gesehen. Für die Umweltorganisation WWF hat das Öko-Institut berechnet, wie klimaschädlich die Urlaubsreisen der Deutschen sind. Als entscheidender Faktor hat sich dabei die Entfernung herausgestellt.

6.) An Weihnachten dreht sich schon längst alles nur noch um den Konsum – mit allen dazugehörigen Folgen. Es werden nicht nur Ressourcen und die Umwelt ausgebeutet, sondern auch Menschen. Besonders deutlich wird das am Beispiel von Amazon. Immer mehr Deutsche erledigen ihre Weihnachtseinkäufe bequem von zu Hause aus. Doch das hat nicht nur fatale Konsequenzen für den Klimaschutz, sondern es findet auch eine dramatische Entwertung von menschlicher Arbeitskraft statt:

Dabei funktioniert das System Amazon schon heute auch deshalb, weil das Unternehmen zu Stoßzeiten billige Leiharbeiter anheuert, die von einem Tag auf den anderen gefeuert werden können. Mehrere tausend solcher Aushilfen wird die Firma in diesem Jahr bundesweit einstellen, schätzt die Gewerkschaft ver.di. Die Arbeitsbedingungen für die Arbeiter sind zweifelhaft , die Schichten lang.

Auf die Spitze getrieben wird das Ganze noch bei einem Blick über die deutschen Landesgrenzen hinaus. Zu den beliebsten Geschenken zählen jedes Jahr aufs Neue Klamotten und Schuhe. Besonders beliebt sind dabei Produkte von den üblichen Verdächtigen. Doch wer möchte schon so genau wissen, unter welchen Arbeitsbedingungen seine Kleidung hergestellt wird? Zwar hatte das Unternehmen H&M beispielweise versprochen, sich für vernünftige Löhne und Arbeitsbedingungen einsetzen, doch die Realität sieht bislang anders aus:

Was die Prüfer bei den H&M-Zulieferfabriken in Kambodscha vorfanden, spricht bisher nicht unbedingt dafür, dass H&M sein Versprechen einlösen kann: Dort sind demnach zwar die Löhne gestiegen, aber nicht genug, um zum Leben zu reichen. Zudem berichteten Arbeiter, dass befristete Verträge ihre Rechte auf Urlaub und Boni einschränken.

Die Arbeiter kamen laut Studie auf einen durchschnittlichen Nettolohn von 187,97 US-Dollar (knapp 170 Euro) im Monat, schätzten aber, dass sie eigentlich 230 US-Dollar (circa 207 Euro) im Monat bräuchten, um würdevoll leben zu können. Der existenzsichernde Lohn, den diverse Arbeiterorganisationen in Asien für Kambodscha ausgerechnet haben („Asia Floor Wage“), liegt bei 399 US-Dollar oder ca. 360 Euro.

Wie wäre es also zur Abwechslung mal mit einem Weihnachtsfest mit weniger Konsum und Dekadenz? Und dafür mit mehr Nachhaltigkeit und Bescheidenheit?

In diesem Sinne: Frohe Weihnachten.

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Über Sebastian 5 Artikel
Ph.D. Student in International Relations (seit 2016)

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